Cambodia

Eine zwölfstündige Busfahrt führte uns von Ho Chi Minh City über Neak Loeang, Phnom Penh nach Siem Reap wo die berühmten Angkor Tempel im Urwald stehen. Nach 90 Minuten ist bereits die kambodschanische Grenze erreicht, man fährt nun durch  fruchtbares Schwemmland der Mekongebene und stellt sich vor, wie hier Anfang der 1970er Jahre die Amerikaner Bomben niederprasseln liessen. Pagoden und prachtvoll verzierte Eingangstore säumen die Strasse, man währt sich in Indien. Die weissen Kühe sind zwar nicht heilig, aber trotzdem da. Auch die Schrift, nicht mehr lateinisch wie in Vietnam, erinnert an die unentzifferbaren Buchstaben Indiens. Und man erinnert sich, dass die Gegend früher Indochina hiess.
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Kambodscha, oder Kâmpŭchéa wie das Land bei den Einheimischen heisst, ist deutlich ärmer als Vietnam. Die Strassenränder unbefestigt, die Autos älter, weniger Motorräder, mehr Velos. Und wie in Indien wandern die Menschen den Strassen entlang von einem Dorf ins nächste. Aber die Leute hier sind noch netter, noch liebevoller und herzlicher. Kaum zu glauben, dass dieses Land eines der grausamsten Regime der Menschheitsgeschichte hervorgebracht hat. Sitzen die Leute in Vietnam mit Vorliebe auf dem Boden, sitzt man hier auf den Tischen. Auf ihren Ständen sitzend, bieten die Marktfrauen an, was es so zu essen gibt: Heuschrecken, Käfer, Fische, Schlangen. Aber auch herrlich duftende Früchte, frisches Gemüse, Geflügel. Und alles mit einem herzlichen Lachen begleitet. Allerdings, was man in Vietnam nicht gesehen hat: kleine Kinder, mehr oder weniger verwahrlost, manche krank. Sie wollen einem irgend etwas verkaufen oder betteln einfach. Das zerreisst einem das Herz. Die Kinderspitäler Kantha Bopha von Beat Richner in Phnom Penh und Siem Reap heissen jede Spende willkommen.
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Im 1. Jahrtausend waren die Inder hier, davon zeugen die unzähligen Hindutempel in Angkor. Die Roten Khmer sind vertrieben, die Tempel dem Urwald entrissen, noch aber sind die Wälder in der Umgebung vermint. Wie es im Führer heisst: lieber sich in die Hosen machen, als sich im Wald ein Bein abreissen lassen. Die Touristen kümmert’s wenig, sie werden in Massen durch gut instruierte Guides durch die Ruinen geschleust. Die Verhältnisse sind umgekehrt: als Europäer ist man hier in der Minderheit. Es sind unsere Gebräuche und die Art, miteinander umzugehen, die befremdlich wirken.
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Warum ist ein Land, das einmal eine so grossartige Kultur hervorgebracht hat, heute so arm?

One thought on “Cambodia

  1. Die Vietnam- und Cambodia-Photos sind faszinierend und (wie gewohnt von Dir) von hervorragender Qualität!

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